Die Feldenkrais-Methode

Wie kann der Mensch lernen, sich so zu organisieren, dass er seinen Wünschen und Absichten sowie den erforderlichen alltäglichen Aufgaben jederzeit auf angemessene Art und Weise gerecht werden kann?

Wie flexibel kann er auf sich ständig verändernde Umweltbedingungen reagieren?

Die Feldenkrais-Methode bietet eine Möglichkeit, das Lernen zu lernen und zu lenken und sich auf diese Weise den Antworten auf diese Fragen anzunähern.

Der Begründer Dr. Moshe Feldenkrais legte für seine Arbeit die menschliche Bewegung zugrunde, basierend auf der Säuglingsentwicklung bis zum aufrechten Gang. Während dieser Zeit durchläuft jedes Kind den Prozess des neuromotorischen Lernens unter der Obhut von Erwachsenen und doch völlig selbständig, neugierig, mit Freude, ohne Zwang, ohne Vorbild und ohne Zeitplan – auch Muttersprache der Bewegung genannt.

Die Qualität des Lernens wieder zu erreichen, wie man spielerisch und ohne Anstrengung verlorene, verlernte oder vergessene Fähigkeiten wiedererlangen kann, war eines der Themen von Moshe Feldenkrais während seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeit. Er nannte es körperorientiertes oder organisches Lernen im Gegensatz zum akademischen Lernen.

Unsere Hauptlehrer dabei sind Achtsamkeit und die eigene Körperwahrnehmung, wenn ich beobachte, wie ich etwas tue, wie viel Kraft ich aufwende, in welchem Tempo ich mich bewege oder worauf gerade meine Aufmerksamkeit gerichtet ist. Bei einem lebendigen Organismus stehen alle Einzelteile miteinander in Verbindung und können deshalb nicht unabhängig voneinander vollständig bestimmt werden, so dass die entstehenden Prozesse als system-, lösungs- und ressourcenorientiert zu bezeichnen sind.

Die in den Feldenkrais-Lektionen aufeinander aufbauenden Bewegungsvorschläge in Bezug zur Schwerkraft stellen einen Rahmen dar, innerhalb dessen wir experimentieren und forschen können, jeder auf seine Weise. So entstehen ganz individuelle Erfahrungen und Lösungen, einschränkende Bewegungsmuster können erkannt sowie neue integriert werden. Die gewonnene Bewusstheit darüber verschafft uns Wahlfreiheit für unser alltägliches Tun.

Moshe Feldenkrais sprach nicht von Krankheit oder Heilung. Bewegung kann man nicht heilen, aber man kann sie verbessern. Der Gedanke an Heilung bringt uns an einen Punkt, an dem wir uns nicht mehr kümmern müssen, aber das Verbessern unserer Fähigkeiten in der Bewegung ist ein Weg stetiger Kultivierung und Verfeinerung unserer Lebensqualität.

Die Feldenkrais-Methode besteht aus zwei sich ergänzenden Unterrichtsformen, die beide sensomotorisches Lernen ermöglichen:

FELDENKRAIS® Bewusstheit durch Bewegung® als Gruppenarbeit

Durch verbale Anleitung werden Bewegungsabläufe vermittelt, die jeder in seinem Rhythmus aktiv umsetzen kann. Die Betonung liegt auf klein, einfach, leicht und angenehm, und am Ende einer Feldenkrais-Stunde kann es leicht und einfach zu einer großen und angenehmen Bewegung kommen. Die Achtsamkeit für jede Bewegung bietet Raum, der Körperintelligenz zu folgen und das Selbstverständliche wieder zu entdecken.

FELDENKRAIS® Funktionale Integration® als Einzelarbeit

Durch individuelles Eingehen auf die Bedürfnisse des Einzelnen werden im Dialog zwischen Lehrer und Schüler Bewegungen erforscht und bewusst gemacht sowie mögliche Bewegungsalternativen angeboten. Die Arbeit findet überwiegend im Sitzen oder Liegen auf einer Behandlungsbank statt. Der Schüler sollte bequeme Kleidung tragen.

Literatur von Moshe Feldenkrais:

Abenteuer im Dschungel des Gehirns – Der Fall Doris
Die Entdeckung des Selbstverständlichen
Bewusstheit durch Bewegung
Der Weg zum reifen Selbst – Phänomene des menschlichen Verhaltens
Die Feldenkrais-Methode in Aktion – eine ganzheitliche Bewegungslehre
Das starke Selbst – Anleitung zur Spontanität